Biologische Medizin

Biologische Medizin

… was unterscheidet sie von der Schulmedizin?

Hört man zum ersten Mal den Begriff Biologische Medizin, dann geht es sicherlich vielen ähnlich wie mir: Man fragt sich, was das wohl wieder für ein alternativer Ansatz ist. Und das ist es tatsächlich! Auf der einen Seite befasst sich die Biologische Medizin mit alternativen Heilmethoden. Auf der anderen Seite ist sie bestrebt, die Schulmedizin und die Naturmedizin zu einem System integrativer Medizin zusammenzuführen. Es ist eine sinnvolle Ergänzung. Denn oft geht das eine nicht ohne das andere.

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Die Biologische Medizin ist ein ganzheitlicher Ansatz

Wie funktioniert unser Körper?

Die Regulierung und Kontrolle sämtlicher Organ- und Stoffwechselfunktionen des Körpers erfolgt mit Hilfe einer nahezu unermesslichen Vielfalt an Enzymen, Hormonen und weiteren Botenstoffen im sogenannten Ultra low dose-Bereich (ULD), also im Bereich von wenigen Nanogramm (ng = milliardstel Gramm) oder Mikrogramm (= millionstel Gramm). So liegt beispielsweise die physiologische Östronsulfatkonzentration (weibliches Geschlechtshormon) im Blut von Stuten je nach Zyklus bei nur 5 – 10 ng/ml . Schon geringe Abweichungen von diesen physiologischen Konzentrationen können weitreichende Auswirkungen haben und das körpereigene Gleichgewicht stören. Ziel der biologischen Therapie ist es, gestörte Regelkreise wiederherzustellen. Oder anders ausgedrückt: Die biologische Therapie basiert auf der Annahme, dass Erkrankungen komplexe Vorgänge sind, die sich auf verschiedene Prozesse im Organismus auswirken.

Nehmen wir dazu ein Beispiel:

Ein Pferd läuft zu Beginn des täglichen Reitens hölzern. Es geht nicht offensichtlich lahm. Und nach einigen Runden Schritt, Trab oder Galopp scheint sich der Bewegungsablauf zu normalisieren. Der Reiter geht davon aus, dass sich das Pferd einfach einlaufen muss. Nach einiger Zeit merkt man, dass die „Einlaufphase“ länger dauert und der Bewegungsablauf insgesamt flacher und weniger raumgreifend erscheint. Nach wiederum einiger Zeit reagiert das Pferd schlechter auf Hilfen. Schlägt vermehrt mit dem Schweif und erscheint insgesamt unwilliger. Erste Widersetzlichkeiten stellen sich ein.

Nach einem Zeitraum X ist das Pferd lahm. Dann konsultiert man den Tierarzt und der diagnostiziert eine Lahmheit und deren Ursache. Daneben macht er ein Blutbild und das weist eventuell auf eine Entzündung hin. Behandlungsansatz: Der Tierarzt spritzt dem Pferd häufig ein entsprechendes Medikament und/oder verabreicht Schmerz- und Entzündungshemmer. Nach einigen Tagen ist das Pferd lahmfrei und der Tierarzt rät, das Pferd langsam wieder zu bewegen. Und ein wenig später wieder mit dem Reiten zu beginnen.

Nach einigen Wochen beginnt der schleichende Prozess mit dem langsam wieder schlechter werdenden Pferd von Neuem …

Anders als in der Schulmedizin, in der in den meisten Fällen Arzneimittel aus einem einzelnen Wirkstoff bestehen, der zumeist nur ein Ziel im Körper ansteuert und je nach Behandlungsziel einen physiologischen Prozess aktiviert oder hemmt. Verfolgt die biologische Medizin einen ganzheitlicheren Ansatz. Denn die hier verwendeten Arzneimittel bestehen aus mehreren effektiven Einzelsubstanzen. Durch die nach spezifischer Indikation zusammengestellten Mittel können diese dadurch gleichzeitig an zahlreichen Stellen des Körpers wirken, um die Ursachen einer Erkrankung nachhaltig anzugehen.

Die Biologische Medizin stellt dazu folgende Überlegungen an

Was hat dazu geführt, dass das Pferd zu Beginn des Reitens hölzern geht?

  • Hier geht es auch darum, sich ein Bild zu machen: Wie ist das Pferd bemuskelt?
  • Haben sich erste Kompensationen auch in der muskulären Entwicklung eingestellt?
  • Sind an wichtigen Stellen erhebliche muskuläre Defizite vorhanden? Z.B. Nackenmuskulatur, Trapezmuskel, Gruppenmuskeln?
  • Ist der Rücken abgesunken und steht der Widerrist stark hervor?
Rücken eines falsch bemuskelten Pferdes
Rücken eines falsch bemuskelten Pferdes
gut bemuskeltes Pferd
Gut bemuskeltes Pferd
Der Rücken ist in einer gut entwickelten Muskulatur eingebettet. Der Rücken ist „oben“
Der Rücken ist in einer gut entwickelten Muskulatur eingebettet. Der Rücken ist „oben“

Über welchen Zeitraum ist diese Situation entstanden?

Was ist der Grund, dass aus einem hölzernen Bewegungsablauf eine Lahmheit wurde?

Haben sich erste arthrotische Veränderungen wie beispielsweise Engstände an den Dornfortsätzen oder der Befund Kissing Spines eingestellt?

Sind Fesselträger und Sehnen in Mitleidenschaft gezogen? Ist das Pferd im Bereich des Fesselträgers bei Abtasten der tiefen und oberflächlichen Beugesehne empfindlich?

Hat das Pferd aus irgendeinem Grund in der letzten Zeit vermehrt unter Stress gestanden? Höhere Leistungsanforderungen, Stallwechsel, Futterumstellung, neuer Boxennachbar, ggf. neue Herdensituation?

Wie sieht die Situation des Immunsystems aus? Ist das Pferd insgesamt anfälliger geworden, dauert das Abschwellen beispielsweise bei einem Einschuss länger? Erscheint das Pferd matter? Wie reagiert es auf Stress?

Im weiteren Schritt werden Rahmenbedingungen abgeklärt

  1. Überprüfung von Hufstellung, Haltung- und Fütterung, Überprüfung von Sattel und Zaumzeug, Überprüfung der Zähne.
  2. Sind immer wieder Mangelerscheinungen vorhanden oder stellen sich diese nach kurzer Zeit wieder ein? Waren im Blutbild auffällige Veränderungen vorhanden wie z.B. Zink- und Selenwerte, Gesamteiweiß Werte, hat es immer wieder erhöhte Entzündungswerte gegeben oder war das Blutbild über einen längeren Zeitraum unauffällig?
  3. Überprüfung der mentalen Situation des Pferdes. Ist das ggf. überfordert, wurde zu viel Leistung erwartet, fühlt sich das Pferd mit seinen Boxennachbarn wohl?
  4. Überprüfung der Reitweise, Sitz- und Einwirkung des Reiters
  5. Vorgehen in der Ausbildung: Schafft der Reiter es, sein Pferd zur Losgelassenheit zu bringen, schnaubt es immer wieder zufrieden ab oder ist es verspannt? Hat man zu viel oder zu unregelmäßig trainiert
  6. Röntgen von Genick, Rücken und Beinen

Der Behandlungsansatz

Im akuten Stadium als erster Schritt: Die Gabe von Entzündungshemmern und Schmerzmitteln. Damit muss erreicht werden, dass das Pferd erst einmal schmerzfrei wird und die Entzündung gestoppt  wird. Auch wird wird dies nach einiger Zeit gegebenenfalls mit einem erneuten Blutbild überprüft.

Zusätzlich dazu kann Traumeel oder ein anderes homöopatisches Schmerzmittel gegeben werden. Hier handelt es sich um ein schmerzstillendes und entzündungshemmendes homöopathisches Arzneimittel, das zur Behandlung von akuten und entzündlichen Erkrankungen geeignet ist. Durch die Kombination seiner Inhaltsstoffe werden, wie oben beschrieben, mehrere Stellen im Körper angesprochen und damit die Erkrankung nachhaltig angegangen. Damit kann der Reiter das Pferd auch darin unterstützen, dass es nicht mehr in alte Schmerzmuster verfällt. Insgesamt erreicht das Pferd bei erfolgreicher Therapie eine körperliche Losgelassenheit.

Wenn Pferde nach einer längeren Krankheit neu aufgebaut werden, dann ist die Anforderung wieder elastisch zu werden, je nach Situation mit Muskelkater, Unwohlsein und Schmerzen häufig mit alten Verspannungen und Kompensationen verbunden. Das ist ein absolut normaler Zustand. Um dem Pferd in diesem Zusammenhang Hilfestellung zu geben, kann man beispielsweise auch im weiteren Verlauf der Behandlung Traumeel verabreichen.

Parallel sollten die guten Rahmenbedingungen geschaffen werden

Wenn diese Punkte alle abgearbeitet sind, geht es darum, dem Pferd neben dem korrekten Reiten und Ausbilden weitere Unterstützung zu geben – quasi Hilfe zur Selbsthilfe.

Nachdem die Rahmenbedingungen geschaffen und die Entzündungen beseitigt sind, sollte das Pferd wieder korrekt Muskeln aufbauen. Und man sollte daran arbeiten, dass Muskeln beim Reiten unverspannt arbeiten, und, dass das Pferd wieder Freude und Spaß an der Bewegung hat. Wichtig ist, sich bewusst zu machen, dass aus Unsicherheit oder Steifheit weitere Kompensationen entstehen können. Auch kann die Unsicherheit des Pferdes oder seine Steifheit Stress auslösen. Stress wiederum kann zu Verspannungen oder auch zu Widersetzlichkeit führen. Verspannungen führen dann wiederum zu Schmerzen. Diese können das Immunsystem weiter belasten. Tritt vermehrt Stress auf, hat das auch Auswirkung neuroimmunologischer Art. Sprich: Stress kann das Immunsystem schwächen.

Wenn sich Pferde wohlfühlen, ausreichend Freilauf haben, Sozialkontakte pflegen können, ist das eine der besten Vorbeugungsmaßnahmen gegen Stress aller Art.
Wenn sich Pferde wohlfühlen, ausreichend Freilauf haben, Sozialkontakte pflegen können, ist das eine der besten Vorbeugungsmaßnahmen gegen Stress aller Art.

In dem Fall kann beispielsweise Engystol zur Stressprophylaxe und zur Verbesserung der Immunsituation verabreicht werden. Durch seine Inhaltsstoffe

    • Schwalbenwurz wirkt immunstimulierend, entzündungshemmend und entfaltet antivirale Effekte und
    • Schwefel verfügt über entzündungshemmende Eigenschaften

ist es neben dem Einsatz zur Stress- und Infektionsprophylaxe auch für die Behandlung von Atemwegserkrankungen gut geeignet.

Diese Stressprophylaxe kann unter Umständen auch dazu beitragen, dass das Pferd innerlich ruhiger wird. Dadurch kann es ggf. eher die notwendige innere Losgelassenheit erreichen, die Grundvoraussetzung dafür ist, dass das Pferd auch äußerlich – also körperlich – loslassen kann.

Regelmäßige Ausritte und eine vielseitige Ausbildung schaffen Spaß und Freude an der Bewegung und ein gut bemuskeltes Pferd. Dressurlektionen kann man vielfach auch im Gelände reiten!
Regelmäßige Ausritte und eine vielseitige Ausbildung schaffen Spaß und Freude an der Bewegung und ein gut bemuskeltes Pferd. Dressurlektionen kann man vielfach auch im Gelände reiten!

So wird daraus ein ganzheitlicher Ansatz und auch ein krankes Pferd kann bis in ein hohes Alter schmerzfrei laufen und ein normales Leben führen.

Anne Schmatelka

Anne Schmatelka

Chefredakteurin PFERDE Fit&Vital, Pferderfachbuchautorin bei los-gelassen
Richtige Wege in der Reiterei
Anne Schmatelka

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